Kennt ihr das Problem: "Wo soll ich nur anfangen?"

Kennt ihr das Problem, wenn ihr in einem neuem Projekt mit der Arbeit beginnt, aber eigentlich gar nicht genau wisst, wo das alles hinführen soll? Zudem wisst ihr nicht, womit ihr überhaupt anfangen solltet? Kommt es bei euch dann sogar dazu, dass eure Kollegen aus demselben Projekt teilweise vollkommen andere Vorstellungen darüber haben, was am Ende das Produkt können soll? Und vor allem wie?

Nicht selten fängt dann einfach jeder an seinen zugewiesenen Projektbaustein in eine bestimmte Richtung zu treiben und setzt die eigenen Ideen in der Hoffnung um, die Projektziele irgendwie zu erreichen.

Es kann aber auch sein, dass ihr euch im Team untereinander gut absprecht und das Produkt gemeinsam in eine Richtung entwickelt. Wenn ihr nicht wisst, was genau am Ende der Nutzen sein soll oder welche Funktionen die wirklich wichtigen sind, bleiben dennoch Probleme bestehen.

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Ungeklärte Fragen und Probleme generieren zusätzliche Probleme

Oft ist es doch so: Von einem neuen Projekt wird erwartet, dass in sehr kurzer Zeit schon erste Ergebnisse sichtbar werden. Deswegen entscheiden die Projektverantwortlichen sich zum Beispiel dazu, dass keine Zeit dafür da ist, um gezielte Fragen zu stellen oder gar den Endnutzer in den Planungsprozess mit einzubeziehen. Es wird erwartet, dass ihr direkt mit der Entwicklung startet. Offene Fragen, die ihr somit nicht im Vorfeld klären konntet, werden meistens gelöst, in dem ihr euch auf eine mögliche Lösungsidee einigt oder jemand entscheidet, dass es so gemacht wird, wie es immer schon gemacht wurde. Im Verlauf solcher Projekte kommt es dann meist zu weiteren Problemen und das Endprodukt unterscheidet sich letzten Endes von dem Produkt, was es eigentlich hätte werden können.
Eine gravierende Folge kann zum Beispiel sein, dass Änderungen am fast fertigen Produkt nötig werden, da wichtige Funktionen fehlen. Diese Änderungsmaßnahmen sind selten kostengünstig, sondern führen dazu, dass das Projekt weder "in Time" noch "in Budget" fertig gestellt werden kann.

Zurück auf Anfang

Schuld an diesen ganzen Problemen kann eine handwerklich falsche Anforderungserhebung sein.
Aber das lässt sich ändern, indem beispielsweise zu Beginn des Projekts Kontextinterviews durchgeführt werden, um herauszufinden, was der Nutzer eigentlich wirklich braucht.

Was sind Kontextinterviews?

Bei Kontextinterviews werden die Nutzer eines Systems in ihrem natürlichen Umfeld befragt. Dadurch können umfangreiche Informationen zu den Aufgaben und typischen Arbeitsabläufen der Nutzer gewonnen werden. Diese dienen dann als Basis, um konkrete Anforderungen an das System abzuleiten.

Der Vorteil ist, dass Benutzer detailliert befragt werden und Unklarheiten direkt geklärt werden können. Dadurch liefert diese Methode die tatsächlichen Anforderungen an das System, die von den Nutzern ausgehen und nicht auf irgendwelchen Vermutungen basieren.

Tipps und Tricks zur Durchführung von Kontextinterviews haben wir euch im Blogbeitrag "Anforderungserhebung: 5 Dinge, die man bei Kontextinterviews beachten sollte" bereitgestellt.

Über Jasmin Kuhn

Jasmin Kuhn ist stellvertretende Standortleiterin der itemis AG in Paderborn. Als Usability Engineer und Product Owner unterstützt sie Kunden u.a. bei der Planung und Durchführung von Usability-Maßnahmen in Softwareprojekten.