Umgang mit Anforderungen

Um den Stellenwert von Anforderungen zu zeigen, gehen wir zunächst auf die Definition von Qualität gemäß der ISO 9000 aus dem Jahr 2005 ein:

Qualität ist die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.

Extreme Programming (XP)


Qualität ist folglich, das zu erreichen, was vorher festgelegt worden ist. Diese Definition zeigt uns, wie wichtig die Anforderungsanalyse und Anforderungsdokumentation ist. Somit haben wir nun einige Herausforderungen an die Dokumentation von Anforderungen. Es ist sicherzustellen, dass das, was »gewollt war«, als System umgesetzt wird. Genau dies wird in Projekten häufig nicht erreicht.

Seit dem Jahr 1995 untersucht die Standish Group in einem Abstand von ca. zwei Jahren eine Vielzahl unterschiedlicher IT-Projekte. Die Studie hat den Namen »Chaos Report« und soll Faktoren aufdecken, die Projekte zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.

Abbildung 7 entstammt dem »Chaos Report« und gibt einen Überblick über den Faktor erfolgreicher und nicht erfolgreicher Projekte.

Chaos Report

Abbildung 7 – Chaos-Report


Deutlich zu sehen ist, dass seit 1996 die Erfolgsquote mehr oder weniger bei ca. 30 % stagniert. Das bedeutet, dass trotz Wissen über Erfolgsfaktoren nicht mehr Projekte erfolgreich sind.

Auch das Unternehmen PA Consulting und die Gesellschaft für Projektmanagement führen seit 2004 eine jährliche Untersuchung zum Thema Erfolgsfaktoren durch. Abbildung 2 zeigt auf, welche Gründe Unternehmen für das Scheitern von Projekten verantwortlich machen.

Ursachen des Scheiterns

Abbildung 8 – Ursachen für das Scheitern von Projekten


Diese Untersuchung verdeutlicht die Wichtigkeit klarer Anforderungen für Projekte. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss durch Anforderungsanalyse und Anforderungsdokumentation sichergestellt sein, dass alle für das Projekt wichtigen Anforderungen gefunden und mit der für das Projekt erforderlichen Qualität festgehalten werden.

Da zu Beginn eines Projektes nicht immer alle Anforderungen bekannt sind oder nicht detailliert formulierbar sind, gibt es unterschiedliche Arten, auf diese Begebenheit zu reagieren. Aus diesem Grund haben sich unterschiedliche Vorgehensmodelle entwickelt.

Die folgende Karikatur verdeutlicht den Umgang mit Anforderungen im IT-Markt im Jahr 2000.

Anforderungsdokumentation

Abbildung 9 – Anforderungsdokumentation mit Interpretationsspielraum (Quelle: http://www.uidesign.at/journal/2007/05/16/die-anforderungen-der-nutzer-verstehen/)


Hier gilt zu unterscheiden, ob die Anforderungen zu Beginn klar sind und zunächst »nur« dokumentiert werden müssen, oder ob diese noch unklar sind und sich erst zu späterem Zeitpunkt ergeben.

Anforderungen, die dem Anforderungssteller klar vorliegen, müssen einigen Qualitätskriterien (Vergleich Abschnitt Qualitätskriterien nach IEEE 830 bis INVEST-Merkmale nach Cohn) entsprechen, damit diese auch klar und verständlich im Entwicklungsteam ankommen Dabei ist es insbesondere in agilen Verfahren wichtig die Anforderungen nicht nur über Papier zu transportieren, sondern diese im Team klar zu kommunizieren. Die Dokumentation kann die Entwicklung dann sinnvoll unterstützen.


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Über den Autor

Die itemis AG ist ein unabhängiges IT-Beratungs­unternehmen, das leistungsfähige Software für Unternehmens­anwendungen, eingebettete Systeme und mobile Applikationen entwickelt – und über diese Themen bloggt.