Vom Usability Engineer zum Product Owner

Zu den Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines Product Owners haben wir bereits in früheren Blogartikeln einiges erfahren. Doch wie ist es, selber den Schritt zu machen und in die Rolle des Product Owners zu schlüpfen? Was ist zu beachten und womit ist zu rechnen? Wir schauen uns das Thema aus Sicht des Usability Engineers an.

Warum der Usability Engineer ein guter Product Owner ist

Als Usability Engineer war ich in unseren agilen Projekten bisher für die Erhebung von Anforderungen, Erstellung von Prototypen und Konzepten sowie die Durchführung von Usability Tests zuständig. Durch diese Aufgaben, die regelmäßigen Rücksprachen mit dem Kunden und den Kontakt zu Nutzern und den Entwicklern bei uns im Haus hatte ich in jedem Projekt bereits von Anfang an einen guten Überblick über Anforderungen, Features und die Projektplanung – kurzum: Ich hatte zu jeder Zeit das gesamte Projekt im Blick.

Das Projekt als Ganzes steht auch im Mittelpunkt der Aufgaben eines Product Owners: Er gestaltet das Produkt, trägt die Produktvision und sollte keine Probleme damit haben, in ständigem Austausch und Kontakt zu stehen, in Meetings zu sitzen und seine eigene Meinung zu vertreten. Einsichtigkeit und Zeitmanagement spielen außerdem eine wichtige Rolle. Er priorisiert und entscheidet über Anforderungen, sorgt durch ein klares Product Backlog für Transparenz und kommuniziert die Anforderungen an das Team.

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Was auffällt: Die Aufgaben des Usability Engineers und des Product Owners überschneiden und ergänzen sich an vielen Stellen. Meine Erfahrungen bereiteten mich daher perfekt auf die neuen Aufgaben vor.

Aufgaben eines Product Owners

Versuchen wir uns dem Thema durch ein konkretes Beispiel zu nähern:

In einem Projekt, das ich als Usability Engineer betreute, war zu Beginn der Kunde alleiniger Product Owner. Aufgrund von Zeitmangel musste er jedoch bei der Erstellung und Pflege des Backlogs unterstützt werden. Für diese Aufgabe kam ich als Usability Engineer nicht nur aus oben genannten Gründen in Frage:

Darüber hinaus brachte ich neben der fachlichen auch die räumliche Nähe zum Entwicklerteam mit. Zusätzlich hatte ich mir in meiner Rolle als Usability Engineer ein Wissen angeeignet, das es mir erlaubte, beispielsweise User Stories zu schreiben, in denen Anforderungen für das Produkt einfach formuliert beschrieben werden.

Also begann ich mich einzuarbeiten und mir wichtige Techniken anzueignen, um den Product Owner qualifiziert unterstützen zu können. Schnell fielen daher das User Story Mapping oder die Erstellung von Releaseplänen in meinen neuen Aufgabenbereich.

Des Weiteren war ich für die Planung und Durchführung sogenannter Refinements verantwortlich. Als Schnittstelle zwischen Entwicklung und Product Owner führte ich regelmäßige Gespräche über fachliche Anforderungen mit dem Kunden durch und gab die daraus resultierenden Infos an das Entwicklungsteam weiter, um die Aufgaben so weit wie möglich zu spezifizieren.

Product Owner oder Usability Engineer? Beides!

Wonach das alles klingt? Genau! Nach den Aufgaben eines Product Owners. Zwar fehlte mir die verbindliche Legitimation, diese Rolle vollständig auszufüllen, da die Entscheidungsbefugnis nach wie vor beim Kunden lag. Im Planning hatte er das letzte Wort über die genaue Formulierung von Anforderungen sowie deren Priorisierung. Für meine Kollegen aus dem Scrum Entwicklungsteam, war ich jedoch die Product-Owner-Ansprechpartnerin.

Diese Veränderung brachte einige Vorteile mit sich: Bei Nachfragen konnten sie sich direkt an mich wenden – der Product Owner war für sie stets erreichbar. Da ich verantwortlich für die Sprintplanung war, hatte ich außerdem die Möglichkeit, Usability-Aktivitäten direkt mit einzuplanen und zu priorisieren. Dabei stand ich immer in enger Rücksprache mit dem Kunden. So geriet das Usability Engineering nicht zwangsweise aus dem Fokus – sondern bekam den wichtigen Stellenwert, der ihm zusteht.

Letzten Endes ist es nur eine Bezeichnung, die sich für mich in diesem Projekt geändert hat, denn die Aufgaben eines Product Owners erledige ich schon etwas länger. Und mein Beispiel zeigt: Der Schritt vom Usability Engineer zum Product Owner ist nicht nur möglich, sondern verhältnismäßig einfach zu gehen. Ich musste mich zudem nicht einmal für eine Aufgabe entscheiden: Die Aufgaben des Usability Engineers und die des Product Owners ergänzen sich hervorragend, sodass eine parallele Ausführung einfach möglich ist.

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Über den Autor

Katharina Lattenkamp arbeitet seit 2015 als Usability Engineer bei der itemis AG. Sie unterstützt die Kunden bei der Planung und Durchführung von Usability-Maßnahmen in Softwareentwicklungsprozessen. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Anforderungserhebung, Interaktionsdesign und Usability Testing.