Was Scrum, Lego und Studenten miteinander zu tun haben

Scrum für Studenten – ja, geht das denn? Aber selbstverständlich! Muss es sogar.

Ich bin der Meinung, dass agiles Vorgehen nicht zuletzt auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor ist. Zuviele Projekte sind in der Vergangenheit gnadenlos an Zeit- und Budgetvorgaben vorbei gefahren. Zuletzt ging das Projekt "ROBASO" durch die Presse, das 60 Millionen Euro verschlang, aber am Ende die Anforderungen der Anwender nicht erfüllen konnte und deshalb eingestampft wurde. Auch im "Hardwarebereich" gibt es mit dem BER oder der Elbphilharmonie prominente Beispiele.

Solcherlei dysfunktionale Projekte haben nicht nur einen überproportionalen Verschleiß an Mensch und Motivation, sondern nagen auch erheblich am Wirtschaftsstandort Deutschland, sowie an dessen Innovationskraft – oder warum kommen Google, Facebook und Co. nicht aus Dresden, Dortmund oder Berlin?

Agilität und Scrum gehören in die Uni

Das agile Wissen muss in die Köpfe. Und wo könnte man Wissen besser in Köpfe bekommen, als an einer Universität? Im Rahmen der sogenannten "Orientierungsplattform Forschung & Praxis" hatte ich Anfang des Jahres die Gelegenheit, der Technischen Universität Dresden – meiner ehemaligen Alma Mater – einen Besuch abzustatten.

Agile Werte im Allgemeinen und agile Softwareentwicklung im Speziellen führen an Universitäten und Fachhochschulen leider immer noch ein Nischendasein, dabei ist es in meinen Augen enorm wichtig, gerade zukünftige Angestellte und Entscheider mit diesem Wissen vertraut zu machen.

Ich nahm also die Gelegenheit wahr und bot einen studentischen Ganztags-Workshop zum Thema "Agilität, Scrum & Lego" an. Dieser speiste sich im Wesentlichen aus dem Workshop "Agile Mindset", den itemis seit einiger Zeit anbietet. Zu meiner eigenen Überraschung wurde der Workshop sehr gut angenommen und war mit über 20 Teilnehmern aus den unteren Jahrgängen restlos ausgebucht.

Scrum mit Lego erklären

Während es am Vormittag eine eher theoretische Runde, aufgelockert durch einige Experimente (Zauberwürfel!) gab, stand am Nachmittag das große Highlight an: Scrum mit Legosteinen. 

Student versucht sich an einem kleinen Zauberwürfel als auflockerndes Experiment und zur Vorbereitung auf die Erklärung von Scrum mit Hilfe von Legosteinen

Scrum, als eine konkrete Ausprägung der agilen Werte und Prinzipien, kann nicht nur für Software, sondern – wie Agilität im Allgemeinen – auch in anderen Problemdomänen angewandt werden. Um die Studenten nicht unnötig mit komplexen Software-Details zu quälen, habe ich mich auf das Bauen einer Stadt aus Lego als "Problem" verlegt. Dabei stand Lego4scrum.com Pate.

Mit Lego4Scrum kann man die Essenz von Scrum und Agile auf spielerische Art lernen, egal ob jung oder alt. Dieses Vorgehen würde ich auch für ähnliche Workshops im professionellen Bereich wählen.

Die Aufgabe bestand also darin, innerhalb von drei Sprints eine Stadt aus Legosteinen zu errichten. Die Studenten wurden in Teams zu ca. 4 Personen aufgeteilt und mussten versuchen, die Anforderungen des Product Owners in jeweils drei Iterationen umzusetzen. Den Product Owner habe ich selbst gespielt.

Wie in einem richtigen Scrum-Projekt gab es ein Backlog, in dem die zu errichtenden Gebäude erfasst wurden. Auch der Sprint-Fortschritt und die Geschwindigkeit wurden gemessen. Im Rahmen eines Plannings wurde mit Hilfe von Scrum-Poker und Story-Points agiles Schätzen geübt, so wie es auch in einem richtigen Projekt getan wird.

Häuser aus Lego als Resultat  eines studentischen Ganztags-Workshops zum Thema "Agilität, Srcum & Lego"
Die Studierenden hatten sichtlich Spaß am Bauen und ich als Product Owner dann beim Review: "Warum hat das Haus keinen Garten, die Kita keinen Zaun und wo ist eigentlich der Drache für den Action-Friedhof? Hatte ich das etwa im Planning nicht gesagt? Ich dachte, es war klar, was gemeint war. Die Wippe wippt nicht, das Stadion ist kleiner als der Imbiss und eigentlich ist das alles gar nicht so, wie ich mir das dachte." Das hat man so sicher noch nicht so oft gehört, oder?

Die Studierenden sollten durch die Aufgabe lernen, Anforderungen zu hinterfragen und sich einem Problem iterativ zu nähern. Es sollte gezeigt werden, dass es "die Stadt" – also das definierte Projektergebnis – so nicht gibt und man auch nicht alles vorab planen kann. Es gibt immer mehrere Lösungsvarianten. Welche ist nun die richtige? Welches Gebäude ist am wichtigsten?

Die unterschiedlichen Teams mussten überdies auch Absprache und das Teilen von Ressourcen lernen. Es ging um Zusammenarbeit beim Erreichen eines großen Zieles, nicht um Konkurrenzdenken. Drei Sprints sind nicht viel Zeit. Ohne Absprache hätten wir mehrere Stadien oder mehrere Kitas, aber keine Wohnhäuser gehabt – also eine eher unbrauchbare Stadt. Auch das kennt man aus der Praxis.

Scrum für Studenten? Das funktioniert!

Am Ende des Tages blieb zu konstatieren: Ja, Scrum und Studenten, das funktioniert. "Lego-Projekte" sind eine gute Möglichkeit, Grundlagen spielerisch zu lernen und es sollte viel mehr solcher Angebote, nicht nur an Universitäten und Fachhochschulen, geben. Auch in Pflichtpraktika könnte man agile Vorgehensweisen als Methodik einbauen und damit mehrere Lernziele kombinieren.

Ein großes Dankeschön geht natürlich an Denise Bornschein und ihr Team von der Fakultät Informatik der TU-Dresden für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung.

Falls du nun schon immer mal wissen wolltest: Wohin mit all dem Lego – und was ist eigentlich dieses Agile? – sprich uns einfach an oder stöbere in unserem Blog.

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Über Jan Mosig

Jan Mosig arbeitet für die itemis AG am Standort Leipzig. Er beschäftigt sich mit Problemen im Projektalltag und setzt zu deren Lösung auf technische Softwarequalität, Agile und Mut zur Veränderung.