Grundlagen des Projektmanagements

Das folgende Kapitel beschreibt Begriffe aus dem Projektmanagement sowie deren Bedeutung und liefert weitere Grundlagen zum Verständnis dieses Buches.

Eine Übersicht über alle Kapitel findet sich unter Scrum Kompakt Wiki.


Projektmanagement Begriffe

Anforderung

Anforderungen beschreiben die Bedürfnisse von Benutzern an ein System, aber auch Eigenschaften, die durch Rahmenbedingungen, z. B. gesetzliche Regelungen, definiert sind.

Nach [Pohl2007] ist der Begriff »Anforderung« (engl. requirement) wie folgt definiert:

Eine Bedingung oder Eigenschaft, die ein System oder eine Person benötigt, um ein Problem zu lösen oder ein Ziel zu erreichen.

Eine Bedingung oder Eigenschaft, die ein System oder eine Systemkomponente aufweisen muss, um einen Vertrag zu erfüllen oder einem Standard, einer Spezifikation oder einem anderen formell auferlegten Dokument zu genügen.

Eine dokumentierte Repräsentation einer Bedingung oder Eigenschaft wie in 1. oder 2. definiert.

Anforderungsarten

Es werden drei Arten von Anforderungen unterschieden:

  1. Funktionale Anforderungen

    Eine funktionale Anforderung definiert eine vom System bzw. von einer Systemkomponente bereitzustellende Funktion oder einen bereitzustellenden Service. Als Benutzeranforderung kann eine funktionale Anforderung sehr allgemein beschrieben sein. Als Bestandteil einer Spezifikation beschreibt sie detailliert Eingaben und Ausgaben sowie bekannte Ausnahmen.

  2. Qualitätsanforderungen

    Eine Qualitätsanforderung definiert eine qualitative Eigenschaft des gesamten Systems, einer Systemkomponente oder einer Funktion.

  3. Rahmenbedingungen

    Eine Rahmenbedingung ist eine organisatorische oder technologische Anforderung, die Art und Weise einschränkt, wie ein Produkt entwickelt wird.

In der Literatur findet sich meist die Aufteilung in funktionale und nichtfunktionale Anforderungen. Die Aufteilung in die oben angegebenen drei Gruppen wird laut Pohl verwendet, da sich die nichtfunktionalen Anforderungen entweder als unterspezifizierte funktionale Anforderungen oder als Qualitätsanforderungen herausstellen. Somit sind diese dann wieder den funktionalen Anforderungen oder den Qualitätsanforderungen zuzuordnen.

Anforderungsanalyse und -management

Die Anforderungsanalyse ist eine Tätigkeit oder ein Abschnitt in einem Projekt.

In der Anforderungsanalyse werden die Anforderungen an ein System oder eine Komponente analysiert und festgehalten. Die Anforderungsanalyse kann als eigenständige Phase in einem Projekt durchgeführt werden; somit stehen zu Beginn der nächsten Phase alle für das Projekt relevanten Anforderungen fest. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Anforderungsanalyse schrittweise und aufeinander aufbauend parallel zu weiteren Phasen durchzuführen. Die Vorteile, aber auch die Nachteile, die jede dieser Durchführungsarten mit sich bringt, werden im Abschnitt »Umgang mit Anforderungen« näher erläutert.

Jegliche Verwaltung und Änderung von Anforderungen sowie der Umgang mit ihnen werden im Kontext dieses Buches als »Anforderungsmanagement« definiert.

Projekt

Das Ergebnis eines Projektes ist ein Produkt. Generell wird unter einem Projekt ein Vorgang mit den folgenden Hauptmerkmalen verstanden:

  • Einmaligkeit für das Unternehmen (muss nicht Erstmaligkeit bedeuten)
  • Zusammensetzung aus Teilaufgaben
  • Beteiligung von Personen und/oder Stellen unterschiedlicher Fachrichtungen (»interdisziplinär«)
  • Teamarbeit
  • Konkurrenz mit anderen Projekten um Personal- und Sachmittel
  • Mindestdauer bzw. Mindestaufwand
  • Höchstdauer bzw. Höchstaufwand
  • definierter Anfang und definiertes Ende (=Ziel)

Prozess

Ein Prozess beschreibt einen Teil eines Systems, der Eingaben in Ausgaben transformiert.

Prozesse stellen Funktionen des Systems dar, welche die im System fließenden Daten beeinflussen. Ein Prozess konsumiert die Eingabedaten, verarbeitet diese Daten und gibt das Ergebnis in Form von Ausgabedaten weiter. Prozesse können verfeinert werden, d. h. durch ein entsprechendes Datenflussdiagramm beschrieben werden.

Stakeholder

Diese Definition beschreibt den Begriff Stakeholder im Kontext des Anforderungsmanagements.

Definition nach [RobRob2006]:

»Ein Stakeholder ist eine Person oder eine Organisation, die ein potenzielles Interesse an dem zukünftigen System hat und somit in der Regel auch Anforderungen an das System stellt. Eine Person kann dabei die Interessen mehrerer Personen oder Organisationen vertreten, d. h. mehrere Rollen einnehmen«.

System

Definition gemäß [Stahlknecht2002]:

Als System definiert die Organisationstheorie »eine Menge von Elementen, die in einem Wirkzusammenhang stehen«, d. h. an einer gemeinsamen Aufgabe zusammenwirken und sich dabei gegenseitig beeinflussen.

Work Breakdown Structure

Der Projektstrukturplan (Work Breakdown Structure (WBS)), ist eine Zerlegung des Projektes in besser organisierbare Arbeitspakete. Diese sind hierarchisch angeordnet und erforderlich, um die Projektziele zu erreichen. Die WBS organisiert und definiert den gesamten Aufgabenbereich (Scope) des Projektes. Je tiefer die Einträge in der WBS-Hierarchie sind, desto detaillierter werden diese beschrieben. Die Einträge der untersten Ebene werden Arbeitspakete genannt, die genau geplant, geschätzt, überwacht und kontrolliert werden können.


Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklung

Über den Autor

Die itemis AG ist ein unabhängiges IT-Beratungs­unternehmen, das leistungsfähige Software für Unternehmens­anwendungen, eingebettete Systeme und mobile Applikationen entwickelt – und über diese Themen bloggt.