Quality Gates, Aufgaben und die Definition von fertig

Beim oben beschriebenen dreistufigen Product Backlog befinden sich zwischen den einzelnen Stufen Gates, d. h. Checklisten für die Qualität der Anforderungen. Mit den richtigen Werkzeugen können die Checklisten als automatische Gates zwischen den verschiedenen Stufen fungieren.

Die Stufe 1 des Product Backlogs


Im Folgenden geben wir einige Beispiele für Checklisten auf den einzelnen Stufen. Sie sind zugleich Beispiele für die Definiton von „fertig“ bei Scrum.
Die folgende Abbildung bietet eine Übersicht über wichtige Checks, Aufgaben und Rollen des Product Owners und des Teams bei der Erstellung der Anforderungen.

Scrum Staged Product Backlog

Abbildung 32 – drei-stufiges Product Backlog mit Aufgaben und Rollen


Die Dokumentationsartefakte müssen bereits im Vorfeld klar definiert werden. Welche Artefakte nach den Unternehmensstandards auf welcher Stufe zu produzieren sind, entscheidet der Product Owner.

Stufe 3

Der Product Owner sammelt Ideen, nicht spezifizierte Features, Änderungswünsche und nicht-kritische technische Refactorings. Werden Items auf dieser Stufe in das Product Backlog aufgenommen, sollte der Product Owner darauf achten, dass zumindest Quelle und Datum mitgeliefert werden. Er arbeitet an der Verfeinerung der Items, wenn er es für erforderlich hält. Auf dieser Stufe kann er sich mit dem Team beraten, muss es aber nicht. Bei der Bewertung der Risiken und Auswirkungen und bei den Schätzungen sollte er jedoch unbedingt mit dem Team zusammenarbeiten.

Ist ein Item wichtig genug für ein detailliertes Requirements Engineering, muss das folgende Quality Gate durchlaufen werden:

Scrum Level 3 Quality Gate

Tablle 6 - Stufe 3 – Quality Gate


Stufe 2

Der Product Owner arbeitet mit seinen Stakeholdern und dem Team an der Verfeinerung der Anforderungen. Funktionale und nichtfunktionale Aspekte werden getrennt und Abnahmekriterien aus Unternehmenssicht formuliert. Die Beteiligung des Teams ist erforderlich, um sicherzustellen, dass die Anforderungen hinreichend bekannt sind und Konsens besteht. Das Team muss auf dieser Stufe mindestens so weit einbezogen werden, dass es die Anforderung gut kennt und somit eine fundierte Story-Point-Schätzung der Anforderung abgeben kann.

Ist ein Item wichtig genug für eine technische Verfeinerung und Planungsvorbereitung, muss das folgende Quality Gate durchlaufen werden:

 Scrum Level 2 Quality Gate

Tablle 7 - Stufe 2 – Quality Gate


Adäquate Techniken zur Verfeinerung der groben Anforderungen aus Stufe 3 sind User Stories mit den zugehörigen Akzeptanzkriterien, System-Use-Cases ggf. mit einer Beschreibung des Standardablaufs und möglicher Alternativen, sowie UI-Mockups und Flows. Diesen fachlichen Artefakten müssen die relevanten Qualitätsanforderungen zugeordnet werden.

Stufe 1

Das Team arbeitet an Product Backlog Items, um sie mit technischen Details und Arbeitsvorbereitungen anzureichen, wenn es für erforderlich gehalten wird. Es klärt gemeinsam mit dem Product Owner letzte Fragen und Details der Anforderung. Falls erforderlich, kann ein detaillierter Projektstrukturplan eine gute Vorbereitung auf das Sprint Planning sein.

Kann ein Item in das Sprint Planning eingehen, muss das folgende Quality Gate durchlaufen werden:

Scrum Level 1 Quality Gate

Tablle 8 - Stufe 1 – Quality Gate


Typische Techniken im Rahmen der technischen Spezifikation sind Datenmodelle (z.B. ER-Modelle, UML Klassendiagramme), Zustandsdiagramme, Sequenzdiagramme und formale Schnittstellenbeschreibungen.

Der Product Owner leitet diesen Prozess und setzt Prioritäten im Sinne des ROI.

Dieser Prozess ist formeller als das Product Backlog Grooming, unterstützt aber hohe und gut dokumentierte Qualitätsanforderungen, wie sie in vielen Anwendungsbereichen vorgeschrieben sind. Der Scrum Master sorgt für ein Gleichgewicht zwischen den formellen und informellen Aspekten des Requirements Engineering und für eine Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen dem Product Owner und dem Team im Rahmen eines Projekts.


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Über den Autor

Die itemis AG ist ein unabhängiges IT-Beratungs­unternehmen, das leistungsfähige Software für Unternehmens­anwendungen, eingebettete Systeme und mobile Applikationen entwickelt – und über diese Themen bloggt.