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Die digitale Barrierefreiheit wird immer wichtiger. Seit Jahren beschäftigt sich die digitale Welt mit der Barrierefreiheit, um Menschen mit irreversibler oder vorübergehender Behinderung barrierefreie Möglichkeiten im Internet bieten zu können. In den vergangenen Jahren haben sich die Normen stark verändert und mehr an den Bedürfnissen von den Nutzern orientiert.

Was ist digitale Barrierefreiheit?

Websites und Apps, die digital zugänglich sind, können von allen Nutzern unabhängig von ihren Einschränkungen verwendet werden. Wenn alle Menschen sehen, verstehen, navigieren und mit digitalen Lösungen interagieren können, spricht man von digitaler Barrierefreiheit.

Warum Barrierefreiheit?

Eine aktuelle Studie des Web AIM Million Report (2022) zeigt, dass bei 96,8 % der Homepages WCAG2-Mängel (Web Content Accessibility) festgestellt wurden. Aber was lassen sich diese Unternehmen entgehen?

Laut der Accenture-Studie “Getting to Equal: the Disability Inclusion Advantage” erzielen Unternehmen mit einem hohen Disability Equality Index einen 28-mal höheren Umsatz, einen 2-mal höheren Reingewinn und eine 30-mal höhere wirtschaftliche Gewinnspanne als ihre Wettbewerber. 

 

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Die Barrierefreiheit ist außerdem aus ethischen Gründen enorm wichtig. Es sind mehrere Benefits damit verbunden:

  • durch die Optimierung wird die Suchmaschinenfreundlichkeit automatisch erhöht
  • durch die barrierefreie Umsetzung können auch Menschen mit Beeinträchtigungen und Nicht-Muttersprachler die Website leichter nutzen, was die Nutzerbasis erweitert
  • die mobile Nutzung wird durch die Optimierung in den Vordergrund gerückt und die Benutzerfreundlichkeit insgesamt wird erhöht

Abgesehen von den finanziellen Aspekten ist die Förderung von Inklusion und sozialer Gerechtigkeit gut für das Image des Unternehmens und bleibt bei den Nutzern nicht unbemerkt.

 

BITV-Test für Webseiten

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Eine gute Vorbereitung auf den BITV-Test für das Webangebot ist die Selbsteinschätzung. Mithilfe der Selbstbewertung kann jedes Unternehmen sich ein Überblick verschaffen, welche Kriterien zu erfüllen sind. Des Weiteren stehen auch mehrere Hilfstools zur Verfügung, die auf der BIK Seite aufgelistet worden sind. Sowohl die Selbstbewertung als auch der eigentliche Test beinhaltet 98 BITV-Prüfschritte, die Anforderung der EN 301 549 entsprechen. Eine Beratung bezüglich Erstellung und Durchführung von automatisierten Tests kann entsprechend angefragt werden. Eine Beratung hinsichtlich Usability und Accessibility kann sowohl nach als auch während der Entwicklung der Webseiten stattfinden. Dabei wird sowohl die Barrierefreiheit anhand der Anforderung der EN 301 549 überprüft als auch die auf die Ergonomie der Mensch-System-Interaktion geachtet. Konzepte der Nutzung, Bedienbarkeit, Zufriedenheit anhand der DIN EN ISO 9241 können von Experten neu konzipiert und geprüft werden.

 

BITV-Test für Apps

Genauso wie die Webseiten können auch mobile Oberflächen anhand der Prüfkriterien überprüft werden. Es empfiehlt sich alle die Kriterien der aktuellen BITV-Schritte durchzuführen und bereits während der Entwicklung direkt auf die Barrierefreiheit zu achten.

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Welche Unternehmen sind davon betroffen: 

Am 17. April 2019 wurde eine neue Verordnung zur Festlegung von Anforderungen an die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen, bekannt als Richtlinie 2019/882, unterzeichnet. Das bedeutet: alle Webseiten und Apps, die den öffentlichen Behörden angehören, sollten nach § 3 Absatz 1 bis 4 und § 4 der BITV 2.0, die auf der Grundlage von § 12d BGG barrierefrei sein. 

Ziel dieses neuen Gesetzes ist es, den Handel mit barrierefreien Produkten und Dienstleistungen innerhalb der EU zu standardisieren sowie die Qualität und Zugänglichkeit von Produkten für Menschen mit Behinderungen zu verbessern. Es werden Normen für die Barrierefreiheit in einigen Bereichen in unterschiedlichen Sektoren vorgeschrieben und die EU-Mitgliedstaaten verpflichten sich, diese Anforderungen gesetzlich zu regeln.

Was sollte beachtet werden?

Die Grundregeln der Barrierefreiheit basieren auf vier Säulen: Wahrnehmung, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit.

1. Säule: Wahrnehmung

Die auf der Benutzeroberfläche enthaltenen Informationen und Bestandteile müssen für die Anwenderinnen und Anwender wahrnehmbar sein. Auch unter kritischen Umständen (ohne CSS und ohne Bilder) sollte die Benutzeroberfläche wiedererkennbar und wahrnehmbar sein.

Das bedeutet:

  • die Benutzeroberflächen sollten ohne Farben und ohne CSS nutzbar sein
  • Bilder sollten auch ohne Farbe wiedererkennbar und wahrnehmbar sein.
  • Ton sollte abschaltbar sein, genauso wie eine kontrastreiche Umgebung vorhanden sein sollte

Optimale Lösung für Wahrnehmung:

Für eine optimale Lösung der wahrnehmbaren Benutzeroberfläche wird ein sowohl visuelles und auditives Konzept der Oberfläche entwickelt und mithilfe der BITV-TEST evaluiert.

2. Säule: Bedienbarkeit

Die Anwenderinnen und Anwender sollten die Bestandteile der Benutzeroberfläche ohne Maus bedienen können.

  • Bedienelemente für Untertitel und Audiodeskription sollten vorhanden sein
  • keine Beschränkung der Bildschirmausrichtung und einfache und konsistente Navigationskonzepte sollten vorhanden sein
  • die Navigations-  und Bedienelemente sollen vorhersehbar, lesbar und intuitiv sein
  • Teilbereiche der Webseite sollten überspringbar sein

Optimale Lösung für Bedienbarkeit:

Durch eine detaillierte Evaluierung der bestehenden Seite oder eine neue Konzeption der geplanten Seite, werden alle nötigen Punkte beachtet, die zu einem optimalen Bedienkonzept führen.

3. Säule: Verständlichkeit

Die Bestandteile und Informationen der Benutzeroberfläche müssen so gestaltet werden, dass sie von den Anwenderinnen und Anwendern verstanden werden können.

  • Leichte Sprache und eine Audiodeskription sollte vorhanden sein
  • die Hauptsprache sollte auf der Benutzeroberfläche immer vorhanden sein
  • Sprecher sollte identifizierbar sein
  • Videountertitel und Alternativtexte für Grafiken und Bilder sollten vorhanden sein
  • ein Hilfsangebot sollte auf der Benutzeroberfläche angeboten werden

Optimale Lösung für Verständlichkeit:
Eine optimale Lösung wird durch ein Benutzerkonzept der leichten Sprache und eines passenden Hilfsangebots für die Nutzerin und den Nutzer erreicht. Es wird genauso ein ausführliches Verständlichkeitskonzept im Zusammenhang mit den Zielen der Kundin oder des Kunden erstellt und der Content grundsätzlich überarbeitet. Die Verständlichkeit wird mithilfe der BITV Liste überprüft und nachgebessert.

4. Säule: Robustheit

Die inhaltlichen Informationen müssen robust und strukturiert für die Anwenderinnen und Anwender sein.

  • Stabilität der Benutzeroberfläche muss vorhanden sein
  • technischer Support sollte angeboten werden
  • Markup-Sprache HTML muss korrekt verwendet werden

Optimale Lösung für Robustheit: 

Eine stabile Benutzeroberfläche und  technische Support-Angebote für die Nutzerin oder den Nutzer dienen als eine Grundlage für die Säule Robustheit. Die Robustheit der Oberfläche wird mithilfe der BITV Liste überprüft und bei Bedarf nachgebessert.

Fazit

Die neue Verordnung – Richtlinie 2019/882 und die zunehmende Aufmerksamkeit von Nutzern führt dazu, dass digitale Barrierefreiheit immer wichtiger wird. Websites und Apps, die von allen Menschen verstanden, gesehen und navigierbar sind, unabhängig von irreversiblen oder vorübergehenden Einschränkungen, sind die neue Zukunft der digitalen Welt.  Unsere Experten für „digitale Barrierefreiheit“ unterstützen Sie von der ersten Beratung bis zur Umsetzung.

Wir helfen gerne bei der Beratung und Prüfung bestehender Websites und Apps 

Es gibt viele Hürden bezüglich der Barrierefreiheit. Wir helfen Ihnen gerne, potenzielle Schwachstellen Ihrer Webanwendung zu finden und zu füllen.

Wir prüfen Ihre Webanwendung anhand der BITV-Prüfschritte und geben Ihnen sofort unsere Einschätzung weiter. Die weiteren Optimierungsschritte werden wir mit Ihnen gemeinsam durchgehen:

  • Mehrwert durch Erstgespräch und Wissensaufbau durch intensive Workshops
  • Prüfung der Guidelines und des Styleguides genauso wie die Ergänzung und Überarbeitung der Sprachkonzepte und redaktionelle Prüfung
  • weitgehende Prüfung der Stabilität der Webseite und allgemeine HTML Struktur
  • sowohl manuelle als auch automatisierte Test werden durchgeführt
  • Begleitung und Konzeption der Neuentwicklung
  • Vorab-Vorbereitung der UI-Elemente mit der detaillierten BITV-Prüfung vor der Entwicklung

Unsere Experten für „digitale Barrierefreiheit“ unterstützen Sie von der ersten Beratung bis zur Umsetzung.

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