App-Entwicklung: Welche iOS- und Androidversion soll ich supporten?

Du brauchst also eine App – oder besser: Deine Kunden brauchen eine App.

Du weißt bereits, dass iOS und Android die Plattformen sind, die dabei bedient werden sollten – und dass alle anderen Plattformen tot sind.

Verschwende also weder Zeit noch Geld an Plattformen, die weniger als 1 % des Weltmarktes repräsentieren – zusammengerechnet. 

Sollte es tatsächlich immer noch unzufriedene Windows-Phone-Nutzer geben, die immer wieder anfragen, wann deine App auch für ihr Betriebssystem gelauncht wird – gib ihnen einfach ein ordentliches Android- oder iOS-Smartphone, das ist auf jeden Fall günstiger.

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Aber es gibt schon unterschiedliche Versionen von iOS und Android, oder?

Genau richtig. Für iOS kannst du mit einem großen Release in jedem Herbst rechnen. Bei Android sind es mehr oder weniger größere und / oder kleinere Releases über das Jahr verteilt. Natürlich gibt es sowohl für iOS als auch für Android verschiedene Revision-Releases für wichtige Bugfixes.


Bugfixes bei iOS? Die stehen doch für allerhöchste Qualität

Leider nicht mehr. Willkommen in der echten Welt, iOS-Fanboy.

Nutzererwartungen und Wettbewerbsdruck fordern auch von Apple und Google die schnelle Entwicklung neuer, aufregender Features – eine schlechtere Qualität ist die Folge.

Durch die vielen verschiedenen Android-Geräte und die individuellen Anpassungen des Betriebssystems durch die einzelnen Hersteller, sind nach wie vor viele ältere Android-Version im Umlauf, Android-Geräte werden nicht automatisch mit den neuesten Versionen versorgt. Die Smartphone-Hersteller wollen sich einfach nicht die Mühe machen, in die Anpassung ihres Betriebssystems für ältere Geräte zu investieren, wenn sie diese wahrscheinlich nicht einmal mehr verkaufen.

Apple hat es hier etwas einfacher. Da sie gleichzeitig auch die Hardware für ihr Betriebssystem ausliefern (oder ist es umgekehrt?), sind deutlich weniger veraltete iOS-Versionen im Umlauf. Für ältere Geräte wird außerdem einfach irgendwann der Support eingestellt – wie es zum Beispiel auch Samsung oder andere Hersteller tun. Trotzdem ist beispielsweise die neueste Version, iOS 11, kompatibel mit dem iPhone 5s, das bereits seit 2013 verkauft wird. In dieser flüchtigen Welt der Smartphones ist Support über einen Zeitraum von vier Jahren ziemlich okay.

Also, welche Version soll ich nun supporten?

Pi mal Daumen: Supporte immer die letzte und vorletzte Version für iOS.

Die Nachfrage für die neueste iOS-Version ist immer hoch. Viele Apple-Fanboys können nicht einmal auf das finale und stabile Release warten und installieren direkt die erste Beta-Version – und nehmen eine schlechte Qualität in Kauf.

Auf der anderen Seite gibt es dann die Skeptiker, die auf die ersten Testergebnisse der Betaversion warten möchten. Sie machen das Update des Betriebssystems vielleicht einen Monat nach dem Release oder warten auf die erste Bugfix-Version.

Und zu guter Letzte gibt es die Nutzer, die an ihren Uralt-iPhones festhalten und die Updates gar nicht mehr machen können. Vergiss allerdings nicht, dass es sich bei solchen Nutzern zum Beispiel um Eltern handelt, die die alten iPhones ihres Nachwuchses bekommen haben, damit sie auch WhatsApp, usw. nutzen können. Überlege dir gut, ob das wirklich deine Zielgruppe für die App ist.

Für Android sieht die Welt tatsächlich komplizierter aus. Am besten schaust du dir die aktuellen Zahlen zur Nutzung an – hier können die Dashboards helfen. Aktuell würde ich alle Android-Versionen ab 4.4 (KitKat) supporten. Auch wenn Android Jelly Bean (4.1 - 4.3) immer noch von knapp 9 % der Nutzer verwendet wird, werden dir deine Entwickler vermutlich sagen, dass es Sinn macht, angesichts der technischen Neuerungen ausschließlich mindestens für KitKat zu entwickeln. Vertraue ihnen.

Das passt übrigens auch gut zum oben erwähnten iPhone 5s. KitKat gibt es seit vier Jahren. Apps, die die oben genannten Versionen supporten, wären also ebenfalls mit einer ca. vier Jahre alten Technik kompatibel.

Fazit

Halte nicht an alten Versionen fest. Wartungsarbeiten und Testaufwand können sehr hoch werden und deine Entwickler müssen sich immer weiter mit veralteten Versionen beschäftigen – was ihre Produktivität sicher nicht steigern wird.

Höre auf deine Entwickler.

Aus Marketingsicht ist es in Ordnung, wenn deine App auch auf ca. 3–5 Jahre alten Smartphones läuft und supportet wird.

Denk dran: Du wirst niemals alle Nutzer glücklich machen.

Vergiss also deine Zielgruppe nicht: Ist deine App für den Otto-Normal-Nutzer oder die Follow-the-Hype-Kids? Berücksichtige das, wenn es um die Kompatibilität der App mit alten Geräten geht – und reduziere im Zweifel Wartungskosten oder stoppe den Support, wenn der Punkt erreicht ist, an dem er sich nicht mehr lohnt.

Über Arne Wiggers

Arne Wiggers leitet den Mobile Bereich der itemis AG.