Warum der Anki Cozmo mehr als nur ein Spielzeug ist

Kennt Ihr schon den Anki Cozmo? Mir war auch neu, dass der kleine Roboter in den USA auf den Markt war – es wurde also Zeit, ihn mir genauer anzuschauen!

Denn im März hatte ich die Gelegenheit für zwei Wochen in die USA zu reisen. Ich war zunächst eine Woche bei einem Kunden in Chattanooga/Tennessee und unterstützte in einem Projekt, das Xtext einsetzt. Anschließend ging es weiter nach San Francisco und San José, wo ich auf den Konferenzen Eclipse Converge und DevoxxUS vertreten war und auf der DevoxxUS einen Vortrag hielt.

Natürlich wollte ich meiner Familie auch etwas mitbringen und stieß so auf den Cozmo-Roboter von Anki. Ich habe selbst eine Anki Overdrive zuhause, doch dass Anki nun etwas Neues hat, wusste ich bis dahin nicht. Ein kleiner Robotor mit künstlicher Intelligenz und "Emotionen"? Ich konnte einfach nicht an dem kleinen Cozmo vorbeigehen – zumal es ihn in Deutschland noch nicht zu kaufen gibt, was sich aber in diesem Jahr ändern soll.

Der Anki Cozmo Roboter mit künstlicher Intelligenz schiebt einen Power Cube vor sich her

Auch wenn es mir unter den Nägeln brannte – ausgepackt habe ich ihn erst gemeinsam mit meiner 7-jährigen Tochter.

Meet Cozmo!

Nach kurzer Ladezeit auf der Basisstation und der Installation der App auf dem Tablet, kann Cozmo zum Leben erweckt werden. Er öffnet dazu einen WLAN-Hotspot und zeigt auf dem Gesicht das WLAN-Passwort an. Es kann also losgehen!

Und Cozmo kann eine ganze Menge: Er läuft auf dem Tisch herum, macht sich mit der Gegend vertraut und kann sich über die Aktivität "Meet Cozmo" die Gesichter seiner Besitzer einprägen. Nachdem man seinen Namen eingegeben hat, sucht Cozmo nach einem Menschen in seinem Blickfeld, "konzentriert" sich und nach einem Bing! hat er sich das Gesicht eingeprägt. Nun kann er den Namen seiner Besitzer mit englischem Akzent in seiner Robotersprache nennen – und sich auch gebührend darüber "freuen".

Nicht mehr als ein Kinderspielzeug?

Meine Tochter war natürlich hellauf begeistert. Sie hat direkt ein paar Stunden mit ihm gespielt, ihn "Power Cube" Würfel stapeln lassen und die verschiedenen Minispiele ausprobiert (Quick Tap, Memory etc.). Die Fertigkeiten muss man nach und nach durch Spielen mit Cozmo frei schalten. Dazu gibt es immer drei Tagesaufgaben, nach deren Erfüllung man Punkte in Form von virtuellen "Bits" und "Sparks" bekommt.

Schweren Herzenz ließ mich meine Tochter Cozmo für zwei Tage entführen – für mich ging es nämlich auf die JavaLand-Konferenz und Cozmo hatte seinen großen Auftritt: Mit seinen süßen Geräuschen machte er gehörig auf sich aufmerksam und arbeitete vor allem vollkommen autark. Er stapelte seine Würfel, schmiss die Haufen wieder um, fuhr an den Tischrand und erschrak sich, schnappte zu, wenn man ihm einen Finger vor die Nase hielt und machte Fitnessübungen mit seinen Würfeln.


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Immer wieder blieben Konferenzteilnehmer stehen, um Cozmo interessiert zu beobachten. Natürlich war man daran interessiert, wie er denn programmiert sei. Auch wenn es dazu recht wenig nachzulesen gibt, lässt sich schnell in Erfahrung bringen, dass es ein Cozmo-SDK (Software Development Kit) gibt. Dieses SDK erlaubt nicht nur Zugriff auf sämtliche Funktionen und Sensordaten, es bietet außerdem eine Schnittstelle über die Python-Programmiersprache an. Damit lassen sich Programme für Cozmo entwickeln, die er dann ausführt.

Cozmo kann mehr – zum Beispiel lernen

Wir haben uns das SDK gleich herunter geladen und die Projekte in unsere Entwicklungsumgebung gepackt. Es wird mit leicht verständlichen Beispiel-Programmen ausgeliefert und wenn man den Programmcode aufmerksam liest, kann man gut erkennen, was der Cozmo machen soll und wie man weitere Programme für den kleinen Roboter entwickeln und ihn so lernen lassen kann.

Wir haben häufiger Praktikanten, Werkstudenten oder Berufsanfänger, die praktische Arbeiten benötigen, um das Programmierhandwerk zu lernen. Mit Cozmo ist das nicht nur möglich, er bringt gleichzeitig noch den Spaß-Faktor ins Spiel.

Wir werden sicher noch einige spannende Aufgaben finden, die wir ihm beibringen können. Vielleicht auch mit mehreren Cozmo Robotern zusammen, die gemeinsam Aufgaben lösen müssen? Oder habt ihr interessante Ideen? Möchtet ihr vielleicht in eurem Praktikum mal einen Cozmo programmieren?

Auch auf unseren Konferenz- und Messeauftritten wird Cozmo auf jeden Fall häufiger Begleiter sein, denn er sorgt dafür, dass wir mit passionierten Entwicklern ins Gespräch kommen. Und wer weiß, vielleicht sprechen wir bei der Gelegenheit auch mal mit einem zukünftigen Kollegen?

Der Cozmo zeigt jedenfalls eindrucksvoll, wozu heute Hardware und Software in der Lage sind – und dass er weit mehr ist als nur ein Kinderspielzeug. Verpackt, so dass es auch unsere Kleinsten begreifen, gibt er uns ein Vorgeschmack auf das, was uns demnächst mit künstlicher Intelligenz und "lernenden" Maschinen ermöglicht wird.

Aber außerdem er ist vor allem eines – verdammt süß!

Über den Autor

Karsten is a software architect at itemis and part of the Xtext team. He strongly believes that Model Driven Software Development helps to be more efficient in mission critical projects.