Wearables im smarten Haus

Solange wir als Anwender keine intelligente Kleidung tragen, oder uns Micro-Chips implantieren lassen, sind wir bei der Steuerung eines SmartHome auf Aktoren angewiesen, die im Haus verbaut sind, oder die wir mit uns herumtragen. Das Haus ist in dem Fall nicht intelligent oder smart, sondern versteht nur, was wir direkt in ihm konfiguriert haben.

Stand

Über intelligente Regeln kann ich einen großen Teil der Steuerung automatisieren. Wenn ich mich abends um acht Uhr ins Wohnzimmer bewege, sollte das Licht gedimmt die Rolladen heruntergefahren und der Fernseher eingeschaltet werden. Morgens sollen die Rolladen hochgefahren, das Bad vorgeheizt und die Kaffeemaschine eingeschaltet werden – und zwar so früh, dass ich meinen Termin trotz des angekündigten Stau rechtzeitig wahrnehmen kann.

Das ist Funktionalität, die ich von einem SmartHome erwarte und erwarten kann. Diese Funktionalität kommt aber nicht ohne Input aus.

  • Woher weiss mein Haus*, dass ich noch im Bett liege?
  • Woher weiss mein Haus, wann und wo mein frühester Termin ist?
  • Was ist wenn ich heute Abend um acht im Wohnzimmer nicht fernsehen möchte?

Um die Szenarien, welche ich konfiguriert habe oder die das System erlernt hat, zu steuern muss ich aktiv interagieren. Das kann ich von zentralen Stellen wie etwa über Wall-Mounted-Displays im Eingangsbereich oder verteilte Schalter im Haus erledigen. Für eine Fernsteuerung des Systems greife ich auf Mobile Anwendungen oder Web-Schnittstellen zurück.

Forderung

Diese Fernsteuerungen müssen intelligenter werden. Ich möchte, dass das Gesamtsystem intelligenter wird und Szenarien nicht mehr nur zeit- oder aktionsgesteuert stattfinden. Das System soll situationsbedingt handeln. Der Anwender selbst beziehungsweise sein Verhalten muss die Fernsteuerung sein.

Hier liegt das Ziel: ein smartes Haus sollte wissen, was ich gerade will, ohne dass ich es durch Aktionen formuliere.

Lösung

Das Haus erkennt die Situationen.

Die Situation kann in einem ersten Schritt das Betreten eines Raumes sein. Auch das lässt sich relativ einfach beispielsweise über eine Integration von Smartphones in Verbindung mit iBeacons realisieren. Allerdings habe ich mein Smartphone nicht immer mit im Bett oder Bad. Einer der Zwischenschritte hin zum Implantat sind Wearables wie Smartwatches, die ich eher bei mir trage und die damit eher meinen aktuellen Aufenthaltsort verraten können. Das System erkennt also anhand von Lokalisierungsdaten und weiteren Informationen wie der Uhrzeit welches Szenario aktiviert werden soll. Eine Smartwatch ist hier ein Schritt in die richtige Richtung, da ich das Gerät auch im Haus eher anbehalte, als das Smartphone, welches ich nach einem Arbeitstag zur Seite lege.

Die technische Umsetzung zur Lokalisierung ist nach heutigem Stand noch nicht auf allen Smartwatches möglich. Die Geräte bieten aktuell noch keine Möglichkeit eigenständige Dienste laufen zu lassen, die als Sender der Empfänger für Bluetooth funktionieren. Eine Smartwatch ist noch als zusätzliches Display zu sehen. Es ist allerdings absehbar, dass zum einen die nötigen Schnittstellen zur vorhandenen Technik geöffnet werden und das weitere Sensoren wie GPS-Empfänger integriert werden.

Alternativ kann man über einen iBeacon nachdenken, der wearable ist. Da es sich hier um ein gegebenenfalls störendes Extra handelt, dass ich am Handgelenk oder in der Kleidung integriert trage, besteht die Gefahr, dass die Geräte ähnlich wie Smartphones weniger getragen werden.

Fazit

Mit der technischen Weiterentwicklung der Smartwatches und der steigenden Verbreitung im Markt werden diese Wearables wichtiger Bestandteil von SmartHome-Szenarien sein. Mit Hilfe der Sensoren von Smartwatches lassen sich auch weitere Situationen definieren. Das System kann über meinen Aktivitätsverlauf, meinen Puls und weitere Daten Szenarien anlernen. Das Haus muss zukünftig weniger aktiv gesteuert werden. Lernmechanismen und situationsbedingte Szenarien, werden das aktive Interagieren mit dem System nicht überflüssig machen, aber die Notwendigkeit einschränken.

Das ist der Weg zu einem wirklich smarten Haus.

 

* Ich verwende die Begriffe „das Haus“ und „das System“ in diesem Beitrag synonym für ein Haus mit SmartHome-System.

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Über den Autor

Arne Wiggers leitet den Mobile Bereich der itemis AG.