Was ist eigentlich Design Thinking?

Design Thinking ist eines der Hype-Themen, die uns immer wieder begegnen. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Was soll das überhaupt heißen – gestalterisch denken? Was brauche ich dafür? Muss ich Designer sein? Diesen Fragen gehe ich im Folgenden auf den Grund und gebe eine Einführung in das Thema.

Design Thinking – was steckt dahinter?

Denkt einmal an klassische Projekte und die dahinterstehenden Fragestellungen. Oft steht das Ziel dahinter, die eine, beste Lösung für ein Problem zu finden. Wir denken dadurch oftmals sehr festgefahren, denn unser Anspruch ist, direkt alles perfekt zu machen.

Design Thinking hat einen anderen Ansatz: Es geht darum, durch experimentieren und ausprobieren, durch Feedback sammeln und vielleicht auch durch ein „auf die Nase fallen“ zu einer besseren Lösung zu kommen – und das iterativ! Wir haben also nicht den Anspruch, dass die erste Idee auch die beste Lösung ist, sondern wir erlauben es uns, zunächst etwas auszuprobieren – sei es auch noch so ausgefallen und verrückt – und diese Idee im Anschluss zu überprüfen. Dadurch möchten wir herausfinden: Funktioniert unsere Idee, kommt sie beim Nutzer an? Helfen wir dem Nutzer mit ihr wirklich?

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Natürlich können wir auch feststellen, dass dies nicht der Fall ist. Doch dann haben wir die Chance, daraus zu lernen, einen Schritt zurückzugehen und unsere Idee aufgrund der neu gewonnenen Erkenntnisse zu verbessern.

Design Thinking als Mindset

Hinter Design Thinking steht also ein Mindset, eine Mentalität. Wichtig sind dabei ein paar Grundsätze:

  • Agiere nutzerzentriert.
  • Nehme verschiedene Perspektiven ein.
  • Lasse wilde Ideen zu.
  • Probiere Verrücktes aus.
  • Traue dich, auch mal auf die Nase zu fallen.
  • Und ganz wichtig: Baue aufeinander auf!

Letzteres ist insofern wichtig, da wir Design-Thinking-Projekte niemals alleine bestreiten; wir agieren im Team, das möglichst interdisziplinär zusammengestellt ist - auch wenn es darum geht, ein ganz spezifisches, fachbezogenes Problem zu lösen. Jeder kann so etwas aus einem anderen Blickwinkel und aus anderen Erfahrungsschätzen einbringen und so zur kreativen Problemlösung beitragen.

Design Thinking ist kreatives Problemlösen

Denn auch wenn es irgendwie nicht so aufregend klingt wie der Begriff „Design Thinking“ – genau darum geht es: um kreatives Problemlösen.

Wir starten mit einer konkreten Ausgangsfragestellung, der sogenannten „Design Challenge“, und durchlaufen im Team einen Prozess, durch den wir zum einen konkrete Probleme und Bedürfnisse des Nutzers aufdecken und zum anderen auf vielfältige Lösungen kommen.

Zunächst bewegen wir uns völlig im Problemraum, mögliche Lösungen werden außen vor gelassen. Wir gehen dem Nutzer auf die Spur, finden heraus, welche Pain Points er im Zusammenhang mit unserer Frage hat, sammeln viele Informationen darüber, warum er bestimmte Dinge so tut, wie er sie tut und gewinnen so unglaublich viele Einblicke in die Hintergründe unseres Problems und unserer Fragestellung.

Haben wir dieses umfassende Wissen aufgebaut, bewegen wir uns in den Lösungsraum. Das Design Thinking gibt uns nun verschiedene Methoden und Tools an die Hand, um unser Wissen in innovative, wilde und vielleicht auch bahnbrechende Ideen zu überführen. Die Idee oder die Ideen, die vom Team als am vielversprechendsten wahrgenommen werden, werden ausgewählt und als Prototyp ausgearbeitet. Wichtig dabei ist der Grundsatz: Versucht einen möglichst realistischen Prototypen zu erstellen, der verdeutlicht, was eure Idee ist und euch erlaubt, diese später auszutesten. Dabei ist alles erlaubt: Vom gezeichneten Comic, über einen aus Lego gebauten Prototypen zum Anfassen und Ausprobieren bis hin zum Rollenspiel – die Umsetzung, die unsere Lösung für die Nutzer am besten erfahrbar macht, ist die richtige.

Aber: Steckt nicht zu viel Zeit hinein, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass der Prototyp nochmal angepasst oder vielleicht sogar verworfen wird. Und genau das ist wichtig: Wir nutzen den Prototyp, um von Nutzern Feedback zu bekommen und herauszufinden, ob unsere Lösung eine tatsächliche Lösung für ihr Problem ist.

Phasen des Design Thinkings

Um zu solchen tatsächlichen Problemlösungen zu gelangen, gibt uns Design Thinking mit seinen iterativen Phasen

  • „Verstehen & Beobachten“
  • „Sichtweisen definieren“
  • „Ideen finden“
  • „Prototypen entwickeln“ und
  • „Testen“

ein Rahmenwerk vor, das kreativ mit Leben gefüllt werden kann. Zwei Design-Thinking-Projekte können in der konkreten Ausgestaltung ganz unterschiedlich aussehen, auch wenn sie beide den fünf Phasen folgen. Das ist das Spannende daran: Wir arbeiten unkonventionell, bewegen uns viel, arbeiten mit Händen, Kopf und Herz und brechen aus den Restriktionen des normalen Arbeitslebens aus. Dadurch schaffen wir eins: Wir können aus den Köpfen der Teammitglieder gemeinsam wahre Ideenschätze ausgraben, die wir in unserer sonst eher starren Arbeitswelt vielleicht niemals entdeckt hätten.

Ich muss also kein Designer sein?

Nein, ganz bestimmt nicht. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, hat Design Thinking eigentlich gar nicht viel mit Design zu tun. Es geht vielmehr darum, Lust darauf zu haben, ein Problem zu verstehen und zu analysieren, sich für Neues zu öffnen und in einem Team gemeinsam, kreativ und mutig zu Lösungen zu kommen, die den Nutzern wirklich helfen. Denn genau das sind die Lösungen, die euch zum Erfolg führen.

Über Sandra Schering

Sandra Schering leitet den Bereich Usability Engineering bei der itemis AG. Zudem unterstützt und berät sie Kunden bei der Einführung, Planung und Durchführung von Usability-Maßnahmen in Softwareentwicklungsprozessen und ist verantwortlich für die Usability von YAKINDU Traceability.