Was ist Usability?

Das englische Wort Usability (gesprochen: Jusebillitie; hier könnt ihr euch die Aussprache anhören) kann übersetzt werden mit Benutzerfreundlichkeit, Gebrauchstauglichkeit oder Benutzbarkeit. Es ist das Ausmaß dessen, wie „gut“ ihr eine Aufgabe an einem interaktiven System ausführen könnt. Ein solches interaktives System kann ein Gegenstand wie eine Milchtüte, ein Gerät wie eine Mikrowelle, eine Webseite oder ein Programm sein. Kurz gesagt einfach alles, mit dem ihr interagieren könnt. Ich erkläre euch heute die drei wichtigsten Kriterien, mit denen die Gebrauchstauglichkeit eines Produkts beurteilt werden kann.

Kriterien und Definition von Usability

Usability wird hauptsächlich durch drei Kriterien definiert, die ihr durch verschiedene Fragen sicherstellen können:

  • Kommt ihr an euer Ziel? Schafft ihr die Aufgabe mit Hilfe des Systems? (Effektivität)
  • Wie viel Aufwand müsst ihr investieren? Welche Ressourcen müsst ihr dafür einsetzen? Wie lange braucht ihr? (Effizienz)
  • Macht euch die Durchführung Spaß? (Zufriedenstellung)

Die offizielle Definition von Usability lautet:

Usability ist das Ausmaß, in dem ein interaktives System durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um festgelegte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.“ (ISO 9241)

Der Benutzer im Fokus

Wichtig hierbei ist, dass bei jeder Beurteilung bestimmte Benutzer betrachtet werden, in einem bestimmten Benutzungskontext bei festgelegten Zielen. Warum dieses „bestimmte“ so wichtig ist und nicht verallgemeinert werden sollte, verdeutlicht das folgende Beispiel.

Betrachtet man die Usability vo, Lenkrädern in einem Auto, gibt es verschiedene Benutzer und Situationen. Zum Beispiel:

  • Herr Winter ist 74 Jahre alt und will mit seinem Oldtimer-Lenkrad im Auto zum Einkaufen fahren.
  • Frau Sommer ist 24 Jahre alt will an ihrem Multimedia-Lenkrad die Radiolautstärke regeln.

Usability-im-Auto-Lenkrad

In jeder dieser Situationen sind es unterschiedliche Benutzer, unterschiedliche Kontexte und jeder Nutzer hat unterschiedliche Ziele. Die Usability eines Lenkrads zu beurteilen, hängt daher immer davon ab, wer mit dem Lenkrad in welchem Kontext welches Ziel verfolgt.

Herr Winter ist vermutlich daran gewöhnt, dass ein Lenkrad allein zum Lenken gedacht ist und könnte Schwierigkeiten mit der Benutzung von eben jenem haben, wenn gleichzeitig der Kanal vom Radio eingestellt, eine Sprachsteuerung aufgerufen oder die Anzeige im Cockpit verändert werden kann. Frau Sommer hingegen würde es vielleicht als störend und ablenkend empfinden, wenn sie den Lautstärkeregler ihres Radios erst in der Mittelkonsole suchen müsste, anstatt diese über das Lenkrad bedienen zu können. Deswegen kommt es immer darauf an, für wen ein System gestaltet wird und was dieses können soll.

Alltagsbeispiele: Lichtschalter und Milchtüte

In unserem Video Was ist Usability stellen wir ein Alltagsbeispiel vor, das sehr anschaulich zeigt, warum eine gute Usability wichtig ist und warum die späteren Nutzer so früh wie möglich in den Prozess der Produktentwicklung einbezogen werden sollten. 

Ein weiteres gutes Alltagsbeispiel an dem man sieht, dass es schnell auffällt, wenn die Usability eines Produkts nicht so gut ist, sind die Verschlüsse von Getränketüten. Denn wer kennt es nicht: Der Verschluss reißt ab und man muss sich eine Alternative überlegen, wie man nun an ein Glas Milch kommt? Bei Freunden von mir geht das Ganze soweit, dass sie ab jetzt generell nur noch „ihren Weg“ (siehe Bild) gehen, wenn es um das Öffnen von Getränketüten geht, egal ob die Lasche abgerissen ist oder nicht.

Usability-Milchtüte

Auf dem Weg zu „guter Usability“

Dass sich Nutzer weigern, ein Produkt noch einmal zu benutzen, wenn sie eine schlechte Erfahrung mit der Interaktion mit dem Produkt gemacht und sich über dessen mangelnde Usability geärgert haben, ist sehr häufig zu beobachten. Wenn ich mich zum Beispiel über die Funktionen in einem bestimmten Webshop ärgere, versuche ich das nächste Mal meine Artikel über einen anderen Shop zu bestellen.

Jetzt habt ihr schon einmal einen Eindruck bekommen, was wir meinen, wenn sie über Usability reden. Wenn es dann konkret darum geht, Systeme gebrauchstauglich und nutzerzentriert zu gestalten, dann reden wir von Usability Engineering. Wie eine solche Gestaltung funktioniert und welche Methoden wir dabei einsetzen, erfahrt ihr in unserem Blogbeitrag Was ist Usability Engineering?.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Usability bereits gemacht? Was ist für euch „gute“ oder „schlechte“ Usability? Startet die Diskussion in den Kommentaren – ich freue mich auf jegliches Feedback zum Thema!

Über Jasmin Kuhn

Jasmin Kuhn ist stellvertretende Standortleiterin der itemis AG in Paderborn. Als Usability Engineer und Product Owner unterstützt sie Kunden u.a. bei der Planung und Durchführung von Usability-Maßnahmen in Softwareprojekten.