Über den Sinn und Unsinn von Scrum-Zertifizierungen

Wie sinnvoll sind Scrum-Zertifizierungen eigentlich? Darüber lässt sich streiten. Während sie für die einen wichtige Nachweise im Lebenslauf sind, sehen andere darin nur ein Geschäftsmodell ohne Aussagekraft über die Qualifikation.

Zugegeben: Um Scrum erfolgreich zu praktizieren, braucht es mehr als nur das Verständnis des dahinterliegenden Scrum-Guides mit den darin beschriebenen Rollen, Artefakten und Zeremonien. In diesem Dokument heißt es nicht umsonst:

“Scrum is lightweight, simple to understand, (but) difficult to master.”

Scrum Schriftzug in bunten Linien auf karriertem Papier
Warum also sollte ich mich dennoch zertifizieren lassen? Für mich persönlich waren es die folgenden Gründe:

Fokussierung durch ein Ziel

Es ist wie beim Laufen. Erst wenn ich mich zu einem Wettbewerb anmelde, gehe ich mein Training mit einer gewissen Ernsthaftigkeit an. Ähnlich geht es mir mit der Scrum-Zertifizierung auch: Ich weiß, dass am Ende des Seminars eine Prüfung steht. Also beschäftige ich mich im Vorfeld viel intensiver mit den Details dieses Prozessframeworks, als wenn ich nur aus reiner Neugier mal reinschaue.

Theorie versus Praxis

Ich bin nun seit mehr als 10 Jahren in Scrumprojekten tätig. Und auch ich kenne das, dass sich im Laufe der Zeit viele Gewohnheiten einschleichen, die man nur selten vor dem Hintergrund des ursprünglichen Frameworks hinterfragt. Wenn ich mich im Rahmen der Zertifizierung aber wieder intensiv mit diesen Grundlagen auseinandersetze, stelle ich meine Verhaltensmuster kritisch auf den Prüfstand. Außerdem geraten Aspekte wieder ins Gesichtsfeld, die ich schon länger nicht mehr in meinem Alltag betrachtet habe.

Gemeinschaftliches Lernen

Von Haus aus bin ich Autodidakt. Wenn ich mich jedoch im Rahmen eines Zertifizierungsseminars zwei Tage intensiv mit einem Thema auseinandersetze, bemerke ich immer wieder, wie sehr ich von den Sichtweisen des Trainers und der anderen Teilnehmer profitiere. Für mich ist das eine perfekte Ergänzung zu meiner gewohnten Lernweise.

Zertifikat als Statement

Mit einem Zertifikat möchte ich zeigen, dass ein gewisses Thema für mich einen besonderen Stellenwert hat; Ich bin bereit, hierfür Geld und Zeit zu investieren. Hinzukommt, dass ich zumindest Grundkenntnisse auf diesem Gebiet nachweisen kann. Es ist ähnlich wie beim Führerschein: Der bescheinigt mir zwar nicht, dass ich ein guter Fahrer bin, aber zumindest, dass ich die Verkehrsregeln und die Grundprinzipien kenne – und mich auf dieser Grundlage stetig verbessern kann.

Für mich persönlich ist die Scrum-Zertifizierung ein lohnenswerter Teil meiner beruflichen Entwicklung. Für alle, die aus diesen oder ähnlichen Gründen zum gleichen Schluss kommen, stellt sich jetzt nur noch die Frage: Scrum.org, Scrum Alliance oder doch TÜV Süd?

Informationen zu unseren Scrum-Zertifizierungen erhaltet ihr natürlich auch auf unserer Website.

Mehr Infos zu unseren Scrum-Zertifizierungen

 

Über Christian Fischer

Christian Fischer ist Agile Software Craftsman bei der itemis AG und unterstützt als Coach für Agile Methoden und Prozesse Teams und Organisationen auf ihrem Weg zu einer effizienteren Produktentwicklung. Daneben ist er iSQI zertifizierter Trainer für Agile Test Driven Development und regelmäßig Sprecher auf Konferenzen sowie Autor von Fachartikeln.