Mist! Ich will nicht zum TÜV!

Kosten, Intervalle, überziehen, abgelaufen... Diese Worte verbinde ich mit dem TÜV.
Nun – nicht mehr.

Denn seit einiger Zeit bietet der TÜV Süd “Inspektionen” für das agile Projektmanagement-Framework Scrum an. Ich stand dem konservativen Anbieter sehr skeptisch gegenüber. Scrum habe ich bisher als amerikanisch, cool und einfach angesehen.

Die gegebenen “Inspektionsstellen” waren für mich die Scrum.org und die Scrum Alliance. Und nun gibt es die agile Hauptinspektion von einem Unternehmen, das sich für mich in der Vergangenheit immer wie eine Behörde angefühlt hat  – und von Scrum meilenweit entfernt zu sein schien.

TÜV Termin wird im Kalender eingetragen. Allerdings nicht für's Auto, sondern die SCRUM Zertifizierung des TÜV Süd.

Kann der TÜV “cool und einfach”?

Nein, kann er nicht. Und genau das finde ich gut.

Denn im Austausch mit Kollegen und Kunden wurde die Prüfungsabnahme nach dem amerikanischen Vorgehen, wie sie bei Scrum.org und Scrum Alliance durchgeführt wird, regelmäßig hinterfragt und belächelt.

Da der Prüfling bei der Online-Prüfungsabnahme weder an Ort noch Zeit gebunden war, hatte jeder Teilnehmer die Möglichkeit, die Antworten in Gruppenarbeit oder mit Hilfe von Google zu erarbeiten. Eine echte Überprüfung des tatsächlichen Wissens kann und konnte so nicht garantiert werden.

Anders beim TÜV – dort geht es wenig amerikanisch, dafür typisch deutsch zu. Nicht nur, dass sowohl die Prüfung als auch die Vorbereitungen auf deutsch sind. Eigens zur Prüfungsabnahme reist ein Prüfer des TÜV extra an. Vor Ort werden die Personalausweise der Prüflinge kontrolliert und die Prüfungsordnung erklärt. Die Einhaltung der Prüfungsrichtlinien wird dabei während der gesamten Prüfzeit vom Prüfer kontrolliert.

Man ist mit sich und dem Prüfungsbogen alleine – unter den strengen Augen des TÜV. Und obwohl das im Vergleich mit den anderen Zertifizierungsmöglichkeiten sicher der schwierigste Weg ist, ist es doch auch der, der das Siegel „Scrum-Zertifizierung“ am meisten verdient.

Vorbereitung auf die "TÜV-Abnahme"

Einen Ausblick auf das, was einen bei der TÜV-Zertifizierung erwartet, erhält man bei der ITEMO (IT Education Management Organisation). Gemeinsam mit der ITEMO gibt der TÜV Süd die Prüfungsordnung, Lehrpläne und Musterprüfungen vor. Auf der Trainingspartnerseite des TÜV Süd erhält außerdem jeder, der möchte, einen Überblick über die Trainingsinstitute, die auf die Prüfung vorbereiten und diese auch begleiten – eine gute Vorbereitung auf die doch recht anspruchsvolle Prüfung ist also in jedem Fall möglich.

Bei der Auswahl des passendes Trainingsinstituts empfehle ich auch eine Recherche zum durchführenden Trainer – oder, wenn möglich, sogar ein Gespräch mit ihm. Er sollte kompetent, praxiserfahren und ja – einfach Mensch sein, um seine Prüflinge ideal vorzubereiten.

Ich hatte das Glück, dass ich einen Trainer hatte, der diese Eigenschaften nicht nur besitzt, sondern auch ausstrahlt und lebt. Das Training für die SCRUM-Foundation-Zertifizierung war entsprechend kurzweilig, aber gehaltvoll und vor allen Dingen nachhaltig.  Ich musste mir keine seitenlangen Präsentationen anschauen oder einen ewigen Monolog anhören. Stattdessen wurde in der Vorbereitung mit Flipcharts und situativ passenden Bewegungseinheiten gearbeitet. Das Benutzerhandbuch, das mir empfohlen wurde und mir nicht nur bei der Prüfungsvorbereitung weiterhalf, ist von Roman Pichler und vom TÜV anerkannt.

Ich bin mit der TÜV-Zertifizierung sehr zufrieden und empfehle sie unbedingt weiter. Es gibt aber natürlich nach wie vor, verschiedenste Möglichkeiten der Zertifizierung und welche die passende ist, ist sicherlich auch immer Typ- und Geschmackssache.

Erfahrt, wie sich  Scrum-Zertifizierungen unterscheiden.

Über den Autor

André ist Vertriebsmensch und seit September 2009 für die itemis tätig. Er ist Ansprechpartner zu kaufmännischen Anfragen des Usability Engineerings, Mobile Solutions und agiler Softwareentwicklung im Enterprise-Umfeld.