Mit dem TÜV zum Scrum Master

“HU”, “AU” und “Nachuntersuchung” sind die Begriffe, die ich typischerweise mit dem TÜV verbinde. Im besten Fall noch “Plakette” – denn darum geht es ja normalerweise. “Agiles Projektmanagement” kam mir in dem Zusammenhang jedoch nie in den Sinn.

Bis jetzt.

Denn als frischgebackener SCRUM Master habe ich den TÜV von einer anderen Seite kennengelernt. Die Gesellschaft bietet nun auch eine Examination für das agile Projektmanagement-Framework Scrum an.

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Etwas merkwürdig erschien es mir schon – das durchaus strenge, behördenähnliche Image des TÜVs ließ sich in meinem Kopf nur schwer mit dem amerikanisch-lockeren und agilen Framework Scrum verbinden.

TÜV bleibt TÜV – auch bei Scrum-Prüfungen

Wird der TÜV jetzt etwa "cool"? Nach wie vor gilt: Nicht, wenn es um Prüfungen geht.

Bisher konnte man sich das Wissen über Scrum bei der Scrum.org beziehungsweise der Scrum Alliance aneignen und abfragen lassen. Die Prüfung besteht hier allerdings aus einem weder an Ort noch Zeit gebundenen Online-Test. Die Hürden zum Bestehen sind daher vergleichsweise niedrig, da sich der Prüfling durchaus helfen lassen kann – ob durch Google oder Gruppenarbeit. Dass dies die geeignete Form des Wissensnachweises ist, stellen Kollegen und Geschäftspartner gleichermaßen schon länger infrage.

Deutlich anders läuft es beim TÜV SÜD Examination Institute – legt man die Prüfung dort ab, reist eigens zur Abnahme ein Prüfer des TÜV an. Nachdem die Identität der Prüflinge anhand eines Lichtbildausweises kontrolliert und die Prüfungsordnung erklärt wurde, geht es auch schon los. Wie in der Uni kontrolliert der Prüfer die Einhaltung der Prüfungsrichtlinien permanent und verhindert somit jegliche zusätzliche Hilfe.

Selbstverständlich sind dies vergleichsweise schwierige Bedingungen, allerdings bescheinigt das Zertifikat dem Inhaber damit auch die unzweifelhaft nachgewiesene Kompetenz im Umgang mit Scrum.

Vorbereitung ist alles

Die Prüfungsbedingungen müssen jedoch nicht zwangsweise abschrecken, ist eine gute Vorbereitung doch möglich. Die ITEMO (IT Education Management Organisation) bietet einen guten Einblick in die Prüfungsinhalte und gibt – in Zusammenarbeit mit dem TÜV Süd – auch die Prüfungsordnung, Lehrpläne und Musterprüfungen vor. Auf der Trainingspartnerseite des TÜV Süd erhält man zudem einen Überblick über die Trainingsinstitute, die auf die Prüfung vorbereiten und diese auch begleiten.
Trotz der erschwerten Prüfungsbedingungen steht einer erfolgreichen Vorbereitung also Nichts im Weg.

Sollte die Entscheidung für ein Trainingsinstitut schwer fallen, empfehle ich neben einer gründlichen Recherche zum Trainer eventuell auch ein kurzes Kennenlerngespräch mit diesem – der Trainer wird nämlich nicht vom TÜV gestellt. Kompetenz und Praxiserfahrung spielen dabei selbstverständlich die größten Rollen, allerdings sollte es auch auf der persönlichen Ebene harmonieren, da man ja einige Stunden miteinander verbringen wird.

Die Scrum-Master-Zertifizierung beim TÜV

Das Training, an dem ich teilnehmen durfte, hatte das Ziel, mich zum Scrum Master zu zertifizieren. Insgesamt bestand es aus vier Workshoptagen und drei Prüfungen.

Tag 1 und 2 waren dabei das Training zur sogenannten Scrum-Foundation-Zertifizierung, eine Grundlagen-Zertifizierung, die beim TÜV für alle zwingend notwendig ist, die den Scrum Master oder auch Product Owner machen möchten.

An den Tagen 3 und 4 wurden die Prüflinge dann auf die Scrum-Professional- und die eigentliche Scrum-Master-Prüfung vorbereitet.

Positiv fiel mir auf: Die Workshoptage bestanden nicht aus stundenlangen Monologen, die durch lieblos aufbereitete und ebenso uninteressiert abgelesenen PowerPoint-Folien begleitet wurden, wie man es teilweise noch aus dem Studium oder der Schule kennt. Stattdessen wurde mit detailliert erstellten Flipcharts, situativen Gruppenübungen und persönlichen Erfahrungen unseres Trainers gearbeitet. Außerdem haben wir gemeinsam eine Musterprüfung gelöst – was sich als sehr sinnvoll erwiesen hat. Denn beim TÜV sind nicht nur die Prüfungsbedingungen strenger als bei anderen Anbietern, auch die Prüfung selber hat es in sich. Sie wird zwar im Multiple-Choice-Verfahren abgelegt, jedoch sind die einzelnen Fragestellungen teilweise wirklich anspruchsvoll – hier zahlten sich die Vorbereitung und das intensive Training aus.

Fazit: In Sachen Scrum Master zum TÜV?

Für mich war die Scrum-Master-Zertifizierung beim TÜV genau die richtige Wahl. Zwar bleibt der TÜV der TÜV und spätestens bei der Prüfung hört der Spaß auf. Doch kann man sich nach erfolgreichem Bestehen der Prüfung – gerade wegen der zeitintensiven Vorbereitung - auch ganz sicher sein, fundierte Kenntnisse aufgebaut und unter Beweis gestellt zu haben.

Trotzdem ist die Antwort auf diese Frage sicher nicht allgemeingültig – gibt es doch verschiedene Lerntypen: Der eine bereitet sich gern selber noch ausgiebig auf eine Prüfung vor, der andere legt Wert auf ein gemeinsames Training.

Erfahrt, wie sich  Scrum-Zertifizierungen unterscheiden.

Über Niklas Schulte

Niklas Schulte ist Referent für Finanzen und Controlling bei der itemis AG. Er übernimmt unternehmensweit Verwaltungs- und Controllingaufgaben, ist Ansprechpartner für juristische Themen und unterstützt Marketing und Vertrieb.